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Das alte Klug-Haus von 1770 , Haus-Nr. 4

 

 

In Ingersauel, Haus Nr. 4 befindet sich die folgende Inschrift neben einem Fenster: 

 

Orginaltext :

 

" Tieses Hausz stet in Gottes Hant. Gott bewar es fur Fuer unt Brant. Im Namen der heilichsten Treifaltichkeit fad ter ersahme.................Ao 1770 "

 

Bei den folgenden einzelnen Buchstaben handelt es sich wahrscheinlich um Abkürzungen von Namen. Ursprünglich, so berichtete die Bewohnerin ( gest. mit 90 Jahren 1995 ), die ebenso wie ihre Mutter in diesem Haus geboren wurde, befand sich die Inschrift am gleichen Haus, aber an der Giebelseite, wo auch heute die Haustür ist. Unmittelbar an das erste Haus wurde später an der Giebelseite - jeweils mit separaten Mauern, aber ohne Zwischenraum - zwei weitere Häuser angebaut, so daß die Haustüre an die Längsseite verlegt werden mußte. Nachdem die Anbauten baufällig geworden waren, wurden sie abgerissen - und man fand die Hausinschrift wieder! Sie erhielt ihren neuen Platz über der seitlichen Haustür. Bei einem Umbau kam die Haustüre wieder an die Giebelseite - die Hausinschrift verblieb an der Stelle, aus der überflüssigen Türöffnung entstand das heute noch vorhanden Fenster. Kennt man diese Vorgeschichte, ist man nicht überrascht über die auf den ersten Blick nicht ganz logisch erscheinende Platzierung der Inschrift in dieser Höhe und an dieser Stelle.

So manche bewegte Vergangenheit eines Hauses und seiner Bewohner im speziellen, oder Baugeschichte allgemein läßt sich mit Hilfe der alten Inschriften entlocken oder ablesen.

Da wegen der üblichen Erbteilung oft Haus und Hof in gleiche oder gleichwertige Anteile aufgesplittert wurden, nahm die Größe des Besitzes ab, es wurden An- und Umbauten notwendig, separate Eingänge für einzelne Familien entstanden, der ursprüngliche Charakter des Gebäudes schwand im Zuge der Restaurierung oder sonstiger Änderung - oft genug verschwand auch die Inschrift.

Ingersauel Nr. 4, ca. 1930

      Ergebnis der dendrochronologischen Untersuchung

 

Das Haus Ingersauel 4 ist ein vollständig in Stockwerkbauweise errichtetes, traufständiges Fachwerkhaus mit verbretterten Giebeldreiecken und Satteldach. Es wurde laut Inschrift im Jahre 1770 erbaut. Der Inschriftbalken, der sich heute an der vorderen westlichen Traufe befindet war früher als Türsturz an der nördlichen Giebelseite.

Bedingt durch die Hanglage, steht das Gebäude nach Osten auf einem hohen, unverputzten Bruchsteinsockel, der Kellerhöhe erreicht.

                                            

 

Der Keller, der u.a. als Stall genutzt wurde, ist somit ohne Höhenunterschied von außen zugänglich. Das Stichgebälk wird beim Haus Nr. 4 in Ingersauel konsequent für eine allseitige, wenn auch minimale Vorkragung des Oberstocks eingesetzt, eine Bauweise, die erst seit dem frühen 19. Jahrhundert hier verstärkt Verbreitung fand.

Mehrere gefügekundliche Kriterien weisen aber für dieses Haus noch eindeutig in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts. Typisch für diese Zeit ist z.B. die Verstrebung der Eckständer. Die Strebefigur besteht aus einer stockwerkhohen gekrümmten Fußstrebe und einer kleineren Gegenstrebe, die in Rähm und Strebe gezapft ist. Ungewöhnlich ist das Fußwinkelholz, das sich als zusätzliche Sicherung der Eckständer sowohl am Nordgiebel als auch auf der Ostfassade findet.

An einige Fassaden des Hauses sind darüber hinaus noch die ursprünglichen, kleineren Fensteröffnungen ablesbar. Gering dimensionierte Stiele und schmale Riegel, die früher als Fenstergewände dienten, sind immer wieder in jetzt geschlossenen Gefachen erkennbar. Die jetzigen, erheblich größeren Fenster wurden erst nachträglich im 19. Jahrhundert eingebrochen. Während die Funktion des Sturzes nun vom Rahmenbalken übernommen wird, musste man die einstmals auf einer Ebene durchlaufende Riegelkette im Brüstungsbereich der Fenster nach unten verändern. Auch diese einfache Riegelkette, die jedes Stockwerk horizontal gliedert, ist ein Indiz für die Datierung des Hauses in das 18. Jahrhundert.

Wahrscheinlich wurde das Gebäude spätestens zu Beginn des 19. Jahrhunderts in ein Zweifamilienhaus aufgeteilt. Denn das Urkataster der 20er Jahre ordnet die beiden vom Nordgiebel und von der westlichen Traufe zugänglichen Haushälften den relativ niedrigen Steuerklassen 7 und 8 zu.

Die inschriftliche Datierung dieses Fachwerkhauses wurde durch die dendrochronologische Untersuchung elf verschiedener Hölzer aus dem Dachstuhl voll bestätigt. Fast alle Hölzer weisen Waldkante auf, so dass sich die Fällungsjahre genau ermitteln ließen. Während einige der verzimmerten Eichen bereits 1768 gefällt worden sind, fielen andere erst 1769 der Axt zum Opfer.

Diese Fällungsdaten entsprechen dem inschriftlich überlieferten Fertigstellungsjahr 1770.

 

                               Vor der Sanierung 1996

und 2005

 

 

" Dieses Haus steht in Gottes Hand. Gott bewahr es vor Feuer und Brand. Im Namen der heiligsten Dreifaltigkeit hat der ehrsame.................

Anno 1770 "

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