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Anekdoten aus Ingersauel

 

Eine Anekdote vom Briefträger Kurtsiefer aus Ingersauel, die Pfarrer Dr. Haarhaus im "Seelscheider Boten", der vierteljährlich erscheinenden Veröffentlichung der evangelischen Kirchengemeinde Seelscheid , brachte.

 

Kurtsiefer war der Vater von Sybille Klug, die im Haus Nr. 4 wohnte, geb. 1896, verstorben 1992.

Frau Klug erzählte:

Der  Kurtsiefer von Ingersauel war Briefträger. Wenn er seine Briefe sortieren wollte, breitete er sie auf einer Wiese aus wie die Frauen die Wäsche. Und wenn ein Wind kam, dann war es nicht immer sicher, dass er sie alle wieder fand.

Dieser Briefträger war auch der stolze Herr eines Katers, der ging bis nach Nümbrecht freien.

 

Frau Klug konnte sich auch noch daran erinnern, dass der Vater von Frau Lange, geb. Müller, Neuhonrath, Krebse im Sieferbach gefangen hat.

 

Frau Klug musste als katholische Schülerin die weit entfernte katholische Schule in Neuhonrath besuchen. Bevor sie endlich die näher gelegene katholische Schule Seelscheid besuchen durfte, musste der Ortsgendarm die Entfernung abschreiten.

 

Noch um die Jahrhundertwende waren Singvögel sehr gefragt. In Köln ließen sie sich gut verkaufen. Obwohl der Vogelfang damals schon verboten war, ging auf Seelscheider Seite des Naafbachtales der "Alte W." noch dieser Tätigkeit nach. Er hatte sich aus Reisig einen Vogelherd gebaut. Seitlich waren "Gucklöcher" angebracht, aus denen Hanfgarn-Fäden zu Fressnäpfen liefen. Um den Rand der Fressnäpfchen, die auf kleinen Erhebungen standen, lagen kleine Schlingen. Wenn sich ein Vögelchen im Fressnapf niedergelassen hatte, zog der Vogelfänger aus seinem Vogelherd heraus den Faden an; der Vogel war gefangen

Lehrer Schnorrenberg von der katholischen Schule Seelscheid war diese Tätigkeit des W. ein Dorn im Auge. Leicht konnte er mit ein paar Worten seine Schüler, wozu auch Sybille Klug gehörte, gegen den Vogelfänger mobilisieren. Während des Baumschulunterrichts hatten die Jungens schnell die Lage des Vogelherdes ausfindig gemacht. Ohne dass sie vom Lehrer noch besonders dazu aufgefordert werden mussten, hatten die Kinder nichts Eiligeres zu tun, als den Vogelherd zu zerstören. Keiner hatte damit gerechnet, dass der Vogelfänger während der Aktion anwesend war und mit den Worten "Su jetz han ich Üch" aus dem Gebüsch trat. Die Kinder flüchteten in alle Richtungen, ohne dass der Alte W. jemand packen konnte.

Dieser, vor über 80 Jahren erlebte Schrecken saß bei Sybille Klug so tief, dass sie bis ins hohe Alter das Bild vor Augen hatte.

 

Auch unser Dorf blieb vom Krieg nicht verschont


Nachdem amerikanische Truppen am 07. März 1945 die Brücke von Remagen überquert hatten, stießen sie in den nächsten Wochen nach Norden vor. Am Morgen des 09. April erreichten sie - nicht wie erwartet von Süden kommend, sondern vom Bröltal über das Dreisbachtal sowie das Eischeider Tälchen vordringend - die Orte Eischeid, Birkenfeld, Neunkirchen, Wolperath und weitere kleinere Siedlungen. Vereinzelter Widerstand von versprengten deutschen Einheiten wurde schnell gebrochen. Während der Besetzung waren - insbesondere durch Artillerie- und Mörser-Beschuß, auch aus Reihen der Verteidiger - allein in Neunkirchen zwanzig Todesopfer zu beklagen, überwiegend Zivilisten.

Von Wolperath aus drangen die Truppen durch das Wahnbachtal im Bereich der heutigen Talsperre nach Pohlhausen und Bruchhausen vor. Über die Zeithstraße erreichten Infanteristen am 10. April nach Unterste und Oberste Zeith das heute in Seelscheid aufgegangene Weesbach und 'Post-Seelscheid'.
Am 11. April wurden von dort aus Berg-Seelscheid und Dorf-Seelscheid eingenommen. Hier stießen die Besetzer mehrfach auf Widerstand deutscher Soldaten. Ebenfalls am 11. April erreichten sie jedoch Rippert, am folgenden Morgen Rengert. Andere Einheiten waren inzwischen über Köbach und Stein nach Westen über die Zeithstraße vorgerückt.

Im Naafbachtal bei Ingersaueler Mühle kam es zu den stärksten Gefechten mit deutschen Soldaten. Teils blieben Teile der US-Truppen noch für Monate in den Ortschaften der Gemeinde.

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